Bestände des Archivs der deutschen Jugendbewegung

Zuständigkeit

Das Archiv auf der Burg Ludwigstein bei Witzenhausen sichert das Erbe der historischen bürgerlichen Jugendbewegung im deutschsprachigen Raum (1890 – 1933), die Überlieferung von Nachfolgebünden bis heute sowie angrenzender Gebiete. Darunter ist das gesamte Spektrum von Wandervogel, Bündischer Jugend und Pfadfinderverbänden über Lebensreform, Reformpädagogik und Jugendmusikbewegung bis zu verwandten Einrichtungen wie dem Deutschen Jugendherbergswerk zu verstehen. Als wissenschaftliche Einrichtung unterstützt das Archiv Forschungen zur Historischen Jugendbewegung, gibt selbst Publikationen heraus und veranstaltet regelmäßig Ausstellungen sowie Tagungen. Das Archiv steht als gemeinsame Einrichtung des Hesssischen Staatsarchivs Marburg und der Stiftung Jugendburg Ludwigstein allen Interessierten offen.

Was findet man bei uns?

Vorab sei betont, dass das AdJb bundes- bzw. reichsweit sammelt, hier aber wegen der räumlichen Nähe und persönlicher Bezüge zwischen Kassel und der Burg Ludwigstein viele Kassel betreffende Unterlagen zu finden sind. Diese lassen sich über die Datenbank HADIS →Sonstige Archive→AdJb ermitteln.
Grundlage vieler Recherchen ist die Spezialbibliothek des Archivs mit ca. 30.000 Buch- und 3.500 Zeitschriftentiteln. Das Schrifttum der Jugendbewegung ist außerordentlich vielseitig; schon früh wurden eigene Zeitschriften und Verlage gegründet. Publizisten, Schriftsteller, Künstler, Pädagogen oder „Führer“, die der Bewegung nahe standen, veröffentlichten hier. Aber auch die Ausstrahlung in Kontexte wie Jugendpolitik, Jugendfürsorge, Schulreformen, Alternativbewegung, Musik, Kunst oder etwa die Frauenbewegung schlägt sich in Artikeln, Essays, Aufsatzsammlungen oder auch Monographien nieder. Insbesondere die Zeitschriften der Jugendbewegung stellen eine Fundgrube zu allen Aspekten – von der Gruppenpraxis auf Fahrt und daheim über Gedichte und Illustrationen bis zu Positionen und Kleinanzeigen – dar. Genannt sei etwa die Zeitschrift „Der Meister. Jungdeutsche Monatsschrift für Führer und denkende Menschen“ (Z 100-1983) des aus Kassel stammenden Politaktivisten und Gründers des Jungdeutschen Ordens, Artur Mahraun (1890-1950).
Die Akten im Umfang von ca. 600 laufenden Metern setzen sich aus einigen Verwaltungsregistraturen (Archive des deutschen Jugendherbergswerks, des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder, des Bundes Deutscher Pfadfinder, der djo-Deutsche Jugend in Europa) sowie einer im Archiv selbst entstandenen Sammlung zu den Bünden zusammen, zu der z.B. der schon genannte Jungdeutsche Orden gehört (A 83). Hier findet sich u.a. eine kleine Sammlung von Fahrtenzetteln und Einladungen der Ortsgruppe Kassel im Bund Alt-Wandervogel (1909-1910) ebenso wie aus dem Bund der Wandervögel und Pfadfinder (1926-1927). Eine weitere Sammlung ist biographisch ausgerichtet. Personen, die den Jugendbünden angehört haben, wurden als Erwachsene in vielen Berufen und Bereichen aktiv. Daher lohnt sich bei Interesse an bürgerlichen Biographien der Geburtsjahrgänge zwischen etwa 1870 und 1925 häufig auch eine Recherche im AdJb.

Von besonderem Interesse sind Personennachlässe, in denen die Jugendbewegung in Kassel thematisiert wird. Ausdrücklich trifft das auf den Kasseler Pfarrer und Jugendpolitiker Hermann Schafft (1883-1959) zu, der die Jugendburg Ludwigstein in vielfältiger Weise unterstützt und sie zu einem Ort für die Kasseler Jugend gemacht hat (N 28). Die Regierungspräsidenten Gustav Springorum und Ludwig Friedeburg haben sich hier ebenfalls über ihr Amt hinaus engagiert und sind in Korrespondenzen und Akten der Jugendburg vielfältig vertreten. Aber auch Erich Bitterhof (1915-1995), der 1952 zu den Gründern der Heimvolkshochschule Fürsteneck in der Rhön zählte und sich viele Verdienste um die Jugendmusikbewegung erworben hat, war in Kassel zuhause (N 143).

Chroniken und Fotoalben der Jugendgruppen stellen als Sonderbestände ebenfalls wertvolle Quellen für die Kasseler Orts- bzw. Regionalgeschichte dar. Einen Bezug zu Kassel weisen allein dreizehn Fotoalben auf. Diesen Schatz durch Digitalisierung noch besser nutzbar zu machen, wird unsere Aufgabe in den nächsten Jahren sein. Anfragen dazu lohnen sich aber schon jetzt.


Unsere Öffnungszeiten

Mo – Fr: 8.30 – 12.00 Uhr; Verlängerung Mo  - Do bis 16.30 Uhr nach Vereinbarung; Voranmeldung ist zu empfehlen.
Adresse / Kontakt
Burg Ludwigstein
37214 Witzenhausen
Tel. 05542-501720
Fax 05542-501723



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