Stadtarchiv Kassel

Die Bestände des Stadtarchivs dokumentieren in erster Linie die Tätigkeit der Stadtverwaltung und das Wirken der Stadtverordnetenversammlung. Bis auf einzelne amtliche Schriftstücke, die bis ins 19. Jahrhundert zurück reichen, ist die Überlieferung der städtischen Unterlagen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens in Kassel allerdings während des Archivbrandes 1943  nahezu vollständig verloren gegangen. Dies betrifft auch die Bestände aus den Jahren 1914 – 1918.

Lediglich der Bestand des Verkehrs- und Wirtschaftsamtes (Bestand A 8.80) ermöglicht mit seinen Protokollen der Industrieförderungskommission, den Unterlagen zum Straßen- und Eisenbahnverkehr sowie zur Schifffahrt einen kleinen Einblick in die Amtstätigkeiten dieser Zeit, während aus anderen Bereichen kaum Unterlagen überliefert wurden. Neben den Akten der Kämmerei zur Tätigkeit einzelner Stiftungen (Bestand A 2.20) oder den Schankkonzessionen des Ordnungsamtes (Bestand A 3.32) finden sich Dokumente der Feuerwehr und einzelne Personalunterlagen in den Archivbeständen.

Deutlich umfangreicher ist hingegen der Überlieferungsstand in den Sammlungen, mit denen sich das Archiv in der Nachkriegszeit bemühte, Ersatzüberlieferungen zu den verbrannten Dokumenten zu schaffen. Sie ermöglichen zum Beispiel die Erforschung der Kriegspropaganda und der Industrieproduktion in der Stadt Kassel, der Lebensbedingungen der Bevölkerung oder der Rolle der Frau im Krieg.

Der Bestand der Flugschriften (Bestand S 10) enthält Extra- und Sonderblätter diverser regionaler und überregionaler Zeitungen aus den Jahren 1914 – 1918.

Die recht breit gefasste sachthematische Sammlung (Bestand S 5) beinhaltet sowohl Unterlagen zum Kriegsgefangenenlager Niederzwehren als auch diverse offizielle Drucksachen. Der sparsame Umgang mit Lebensmitteln in Zeiten des Krieges und die Notwendigkeit von Spenden “Für unsere Krieger, deren Angehörigen, für unsere Kriegsbeschädigten und die Witwen und Waisen unserer gefallenen Helden“1 zur Kriegsfinanzierung prägen das Alltagsleben.

Auch Feldpostkarten und Urkunden zur Teilnahme an der Nagelung des Kasseler Zaitenstocks aus dem Jahr 1915 sind Bestandteil der Sammlung, die sich im Wesentlichen aus Zeitungsausschnitten sowie angekauften oder geschenkten Dokumenten unterschiedlichen Ursprungs zusammensetzt.

Von besonderem Nutzerinteresse sind die audiovisuellen Überlieferungen (Bestand E, E 4)zum Ersten Weltkrieg. Sie zeigen Fotografien von der Ostfront oder der Mobilmachung in Kassel und ergänzen Schriftstücke wie das „Kriegstagebuch des August Wiedemann über die Zeit von der Mobilmachung 1914 bis zum Kriegsende 1918“2

Als weitere Quelle zur Erforschung der Stadtgeschichte jener Zeit können auch die personenbezogene Unterlagen (Bestand S 1) einzelner Bürger und/oder Persönlichkeiten, die einen besonderen Beitrag zur Stadtgeschichte geleistet haben, herangezogen werden. Beispielhaft sei der Besuch des Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg in Kassel genannt, der ab dem 14.11.1918 vom Schloßhotel Wilhelmshöhe aus die Demobilmachung des Heeres leitete.3

Die Recherche in den Beständen erfolgt mit Hilfe der Datenbank HADIS, welche sowohl im Lesesaal des Stadtarchivs als auch online unter www.hadis.hessen.de zur Verfügung steht.



StadtKS Abb 1 Brotkarte 1916StadtKS Abb 1 Brotkarte 1916
  StadtKS Abb 2StadtKS Abb 2
  StadtKS Abb 3 UrkundeZaitenstockStadtKS Abb 3 UrkundeZaitenstock
 
 

Stadtarchiv Kassel, S 5 P Nr. 34

Stadtarchiv Kassel, S 3 Nr. 613

Stadtarchiv Kassel, S 1 Nr. 2616