Bestände des Stadtarchivs

Was findet man bei uns?

Unterlagen der Stadtverwaltung

Das Herzstück der Überlieferung des Stadtarchivs stellt das städtische Schriftgut dar, also die Unterlagen der Stadtverordnetenversammlung sowie der Ämter und Stellen der Stadtverwaltung. Es zeigt einerseits die politischen Entscheidungsprozesse, andererseits aber auch, wie verschiedene Aspekte des Alltagslebens in der Vergangenheit gestaltet und verwaltet wurden. Das Stadtarchiv verbrannte 1943 nahezu vollständig, so dass alle alten Bestände verloren gingen. Allerdings reichen einzelne der heutigen Bestände weiter zurück, teilweise bis ins 19. Jahrhundert.

Die Überlieferung der Stadtverordnetenversammlung setzt 1925 mit den sogenannten Stenografischen Protokollen ein, eine Quelle, in der man die Reden und Diskussionen (mitsamt den spannenden Zwischenrufen) im Wortlaut nachlesen kann. Die Überlieferung der verschiedenen Ämter bietet dagegen Einblicke in verschiedenste Fragestellungen. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein reicht beispielsweise die Überlieferung des Ordnungsamtes, ein Amt, bei dem man zunächst einmal langweilige Routineaufgaben vermutet. Gerade dieser Bestand bietet heute jedoch viele Einblicke in das Alltagsleben: Enthalten sind hier beispielweise die Gesuche um Schankkonzessionen mitsamt den damals einzureichenden Gebäudeplänen – eine Quelle, die gerade aufgrund des Flächenbrands 1943 und der ansonsten verloren gegangenen Informationen über die alte Bebauung besonders wertvoll ist. Aber auch zahlreiche andere Fragestellungen – Welche Gewerbebetriebe gab es im ausgehenden 19. Jahrhundert in Kassel? Wann und wo gab es in den 1930er und 1940er Jahren Zirkusvorstellungen? - lassen sich anhand dieses Bestandes recherchieren.

In ähnlicher Weise lässt sich anhand des Bestands des Kulturamtes die Entwicklung der Kulturpolitik nachvollziehen. Die Bestände des Sozialamts und des Jugendamts spiegeln einerseits die Lebensbedingungen sozial schwacher oder hilfebedürftiger Personen und Gruppen in Kassel wider, andererseits aber auch den gesellschaftlichen Umgang mit Armut oder familiären Notlagen. Solche Bestände sind nach dem Ablauf der Schutzfristen sowohl sozialgeschichtlich als auch kulturwissenschaftlich auswertbar. Ziel des Stadtarchivs ist es, durch die Übernahme amtlicher Unterlagen möglichst alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in Kassel abzubilden und gleichzeitig möglichst viele Auswertungsmöglichkeiten zu bieten.
 

Sammlungsbestände

In der Nachkriegszeit bemühte man sich zudem um eine Ersatzüberlieferung für die vernichteten Bestände, indem man zahlreiche Sammlungen aufbaute. Den Benutzern stehen heute beispielsweise mit der S 1 mehr als 4000 Sammelmappen über Personen zur Verfügung, die in Kassel wichtig waren – oder noch sind. Hierin finden sich Zeitungsausschnitte, teilweise aber auch weitere Materialien wie z.B.  Lebensläufe oder Manuskripte aus der Hand der Personen selbst. In der sachthematischen Sammlung S 5 finden sich Zeitungsausschnitte zu verschiedensten Themen der Stadtgeschichte. Diese wurden oftmals durch Schenkungen oder angekaufte Ausschnittsammlungen von Privatpersonen angereichert, so dass darin auch Unterlagen und Materialien enthalten sind, die bis in die 1920er und 1930er Jahren zurückreichen.

Neben den Sammlungen und den behördlichen Beständen werden auch die Bildbestände des Stadtarchivs oft nachgefragt. Das Stadtarchiv verwahrt unter anderem ca. 165.000 Fotos. Erschlossen und digitalisiert sind bereits ca. 10.000 Bilder der topografischen Sammlung, in der v.a. die Aufnahmen der Gebäude und Straßen enthalten sind. Derzeit wird auch der Fotografen-Nachlass Eberth mit ca. 60.000 Negativen erschlossen. Ein Zugang für alle Interessierten wird allerdings erst nach dem Abschluss der Arbeiten im Frühjahr 2013 möglich sein. Zahlreiche Quellen zur Geschichte Kassels als Residenz der Landgrafen von Hessen-Kassel finden sich außerdem im Staatsarchiv Marburg. Einige dieser Unterlagen sind als Reproduktionen bzw. Microfiches auch im Stadtarchiv Kassel einsehbar.



Erklärung Scheidemanns zur An- nahme der Wahl zum Oberbürger- meister, 20. Dezember 1919, Stadtarchiv Kassel, Best. S 1 Nr. 605Erklärung Scheidemanns zur An- nahme der Wahl zum Oberbürger- meister, 20. Dezember 1919, Stadtarchiv Kassel, Best. S 1 Nr. 605
  Zirkusprogramm, Stadtarchiv Kassel, Best. A 3.32 Nr. 2526Zirkusprogramm, Stadtarchiv Kassel, Best. A 3.32 Nr. 2526
  Blick durch die Obere Königsstraße, Stadtarchiv Kassel, Best. E 1 A Nr. 0.005.793, Fotograf: Renate LehningBlick durch die Obere Königsstraße, Stadtarchiv Kassel, Best. E 1 A Nr. 0.005.793, Fotograf: Renate Lehning
  Marktszene in den 1930er Jahre, Stadtarchiv Kassel, Best. E 5 Nr. 0.500.259, Fotograf: Carl EberthMarktszene in den 1930er Jahre, Stadtarchiv Kassel, Best. E 5 Nr. 0.500.259, Fotograf: Carl Eberth
  Ansicht des Aue-Tors zu Kassel, Stadtarchiv Kassel, Best. E 11 Nr. 324Ansicht des Aue-Tors zu Kassel, Stadtarchiv Kassel, Best. E 11 Nr. 324