Universitätsbibliothek Kassel

Zeitungsbestände und Nachlässe aus der Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit

Beim kriegsbedingten Brand des ‚Fridericianums‘, in dem die Landesbibliothek seit dem späten 18. Jahrhundert untergebracht war, wurde im Oktober 1941 auch die umfangreiche Sammlung nordhessischer und Kasseler Zeitungen zerstört. Erst nach dem Krieg gelang es, diese Bestandslücke (vor allem durch die Mikroverfilmung von Zeitungsbeständen aus dem Marburger Staatsarchiv) zumindest partiell wieder zu füllen. Neben vereinzelten Papierexemplaren ist in der Universitätsbibliothek daher heute das Gros der historischen Zeitungen aus Kassel und Nordhessen, hierunter auch die NSDAP-Organe „Der Sturm“ und „Hessische Volkswacht“, lediglich auf Mikrofilm verfügbar.


Bereits vor der weitgehenden Zerstörung Kassels am 22. Oktober 1943 waren die „Kasseler Post“ (März 1943) und die „Kasseler neuesten Nachrichten“ (Mai 1943) eingestellt und durch die „Kurhessische Landeszeitung“, das Gau-Organ der NSDAP, abgelöst worden. Diese hatte in der Stadt von nun an das Monopol auf die Tagesberichterstattung und brachte ihre letzte Ausgabe kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner am 28.3.1945 (Mittwoch vor Ostern) auf den Markt. Unter Aufsicht der amerikanischen Besatzungsmacht erschien in Kassel am 28. April 1945 erstmals wieder eine Tageszeitung, die „Hessische Post“. Es folgten ab 26. September 1945 die „Hessischen Nachrichten“ und im September 1946 die „Kasseler Zeitung“. Die erste Nachkriegsausgabe der „Kasseler Post“ ließ bis November 1949 auf sich warten. Alle diese Tageszeitungen sind im Bestand der Universitätsbibliothek Kassel vorhanden. 

Unter den in der Universitätsbibliothek aufbewahrten Nachlässen besitzt auch jener des publizistisch und verlegerisch tätigen, gebürtigen Korbachers Wilhelm Schwaner († 1944) allgemeineren Bezug zu den Themenkreisen ‚Nationalsozialismus‘ und ‚Zweiter Weltkrieg’. Schwaner, der einen umfangreichen Briefwechsel hinterließ,  kann als einer der wichtigsten Protagonisten der deutschvölkischen Bewegung vom Kaiserreich bis in die Zeit des Nationalsozialismus gelten.

Ebenfalls im Bestand der Landesbibliothek findet sich das das Typoskript der Lebenserinnerungen des Kasseler Dramaturgen Hans Joachim Schäfer (1923-2007), in dem er u.a. ausführlich über seine Kriegseinsätze an den Fronten des Zweiten Weltkriegs berichtet. – Eine leicht gekürzte Fassung seiner Erinnerungen wurde 2007 bei Kassel University Press publiziert.


Hess Post Nr-1
Titelseite der ersten Ausgabe der „Hessischen Post“


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Briefe aus dem Nachlass Wilhelm Schwaner