International Tracing Service in Bad Arolsen

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Dokumente zur Geschichte der Verfolgung während des Nationalsozialismus und zur Geschichte der befreiten Überlebenden

Der International Tracing Service (ITS) bewahrt einen einzigartigen Bestand von Dokumenten, die Auskunft über das unvorstellbare Ausmaß der NS-Verbrechen sowie über die Hilfen der Alliierten für die befreiten Überlebenden geben. Rund zehn Millionen dieser als „Displaced Persons“ (DPs) bezeichneten, verschleppten Menschen fanden die Siegermächte 1945 in Europa vor. Viele waren schwer traumatisiert und wussten nicht, wer von ihren Familienangehörigen überlebt hatte oder wo die Vermissten sein könnten.

Um Hilfe zu organisieren und die Suche zu erleichtern, war es das Ziel der Alliierten, alle erhaltenen Dokumente der Verfolgung sowie aus der unmittelbaren Nachkriegszeit an zentraler Stelle zu bewahren. So kamen wesentliche Teile des heutigen Archivbestands im Januar 1946 nach Arolsen. Dazu gehörten Dokumente der NS-Bürokratie aus Konzentrationslagern, darunter Totenbücher und Transportlisten sowie individuelle Unterlagen mit Informationen zu den Verfolgten. Auch aus einigen Ghettos sind Unterlagen erhalten. Das Schicksal von NS-Zwangsarbeiter ist unter anderem durch Arbeitsbücher oder Krankenkassen-Meldekarten dokumentiert. Zu den Original-Dokumenten zählt auch der umfangreiche Bestand von Unterlagen der Alliierten über die Versorgung in DP-Camps sowie über Repatriierung und Emigration.

Die Sammlung wuchs mit der Arbeit des ITS: der Spurensuche nach Überlebenden, dem Versuch der Schicksalsklärung angesichts der vielen Millionen Toten sowie Auskünften, um Renten und Entschädigungen einfordern zu können. Um von zentraler Stelle möglichst umfassend informieren zu können, trug der ITS Dokumentationen und Kopien von Dokumenten aus verschiedenen Archiven und Institutionen in ganz Europa zusammen. Hinzu kommt der Schriftverkehr mit Überlebenden und Angehörigen, der neben Anfragen und Auskünften wertvolle Informationen über Schicksale enthält und somit Zeugnis über Verfolgung und Überleben gibt.

Bis heute erhält der ITS rund tausend Anfragen pro Monat, erteilt Auskünfte über das Schicksal von NS-Verfolgten und führt noch immer Familien zusammen. Zunehmend ist es die zweite und dritte Generation, die verstehen möchte, was genau der eigenen Familie in der NS-Zeit passierte.

Seit 2007 steht das circa 30 Millionen Dokumente umfassende Archiv jedem Interessierten für Recherchen offen. 1998 wurde mit der Digitalisierung begonnen, so dass aus konservatorischen Gründen heute in der Regel mit Digitalisaten gearbeitet wird. Die wissenschaftliche Erschließung des durch die Suchaufgaben gewachsenen Archivbestands wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen.

Vor dem Hintergrund, dass immer weniger Zeitzeugen berichten können, entwickelt sich der ITS innerhalb eines internationalen Netzwerks von Forschungs- und Bildungsinstituten zu einem Dokumentationszentrum mit vielfältigen Angeboten, darunter Workshops, Vorträge, Wanderausstellungen und wissenschaftlichen sowie pädagogischen Publikationen.

2013 wurden die Originaldokumente im Archiv des ITS sowie die Zentrale Namenkartei mit rund 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen in das UNESCO-Register „Memory of the World“ aufgenommen.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der ITS Website (www.its-arolsen.org) . Noch im Jahr 2015 werden erste Bestände in einem eigenen Portal online veröffentlicht werden.

 


ITS nordhess-Archive IIWK DP-Karte
Ausweisdokument der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO) für eine Überlebende DP


ITS nordhess-Archive IIWK Kindersuche
Deckblatt einer Akte des Kindersuchdienstes


ITS nordhess-Archive IIWK Zwangsarbeiter
Ausweis eines als 15jähriger nach Deutschland verschleppten Zwangsarbeiters aus der damaligen Sowjetunion

(Alle Fotografien: ITS Bad Arolsen, Germany)