Der Erste Weltkrieg und die Sparkassen

Am 1. August 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. Der Krieg hatte in vielerlei Hinsicht auch Auswirkungen auf die Sparkassen. Zum einen waren Banken und Sparkassen über die Zeichnung und den Verkauf von insgesamt neun Kriegsanleihen maßgeblich an der Finanzierung des Krieges beteiligt und erfüllten so ihre „vaterländische Pflicht“. Zum anderen wirkte sich das Kriegsgeschehen auch auf die Institute selbst – Mitarbeiter waren als Soldaten an der Front – und auf die Kunden aus. Je länger der Krieg dauerte, umso schlechter und schwieriger wurde die wirtschaftliche Situation und die Versorgung der Bevölkerung. Hinzu kam die Unsicherheit über die weitere Entwicklung und die Preissteigerungen, die sich aufgrund der Warenverknappung einstellten und mit der großen Inflation Anfang der 1920er Jahre ihren Höhepunkt erreichten. Das alles hatte Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb der Banken und Sparkassen.

Im Historischen Archiv der Kasseler Sparkasse sind zahlreiche Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkrieges erhalten geblieben. Hier ergänzen sich die Unterlagen aus den Althäusern, so dass neben den Dokumenten von Stadtsparkasse und Kreissparkasse Kassel, deren Bestände  durch die Bomben des Zweiten Weltkrieges zu großen Teilen vernichtet wurden, auch Unterlagen aus den Sparkassen im Landkreise Kassel (Hofgeismar, Wolfhagen, Bad Karlshafen) vorhanden sind.

In der Handbibliothek des Historischen Archivs der Kasseler Sparkasse sind u.a. die Kriegsjahrgänge 1914 – 1918 der Zeitschrift „Sparkasse“ des Deutschen Sparkassen-Verbandes vorhanden. In dieser Zeitschrift wird in vielen Beiträgen auf die Rolle der Sparkassen im Weltkrieg, das Sparverhalten der Bevölkerung und andere insb. wirtschaftliche Aspekte in dieser Zeit eingegangen. Besonders hervorzuheben ist hier immer wieder die Rolle der Sparkassen im Zuge der Kriegsfinanzierung: Es wird geworben für die Zeichnung der Kriegsanleihen unter Hinweis auf die „vaterländische Pflicht“, die Zeichnungsbedingungen für die Kriegsanleihen, deren Bedeutung für das Reich und die Abwicklung werden genau beschrieben. Aus den Beständen des Vorgängerinstituts Stadtsparkasse Karlshafen liegen Kladden über die Zeichnung der 5. bis 9. Kriegsanleihe durch die Kunden der Sparkasse vor. Es überrascht, mit welch z.T. erheblichen Summen die Kunden der Sparkasse Kriegsanleihen zeichneten. Leider fehlen die Zeichnungslisten für die 1. bis 4. Kriegsanleihe. Aus den noch vorhandenen Beschlußbüchern und den Geschäftsberichten der Althäuser lässt sich ersehen, in welchem Umfang die Sparkassen Kriegsanleihen zeichneten und an die Kunden weitergaben. Hier sind insbesondere Unterlagen der Stadtsparkasse Kassel noch vorhanden. Aus den Bilanzakten der Städtischen Sparkasse Wolfhagen (im Jahre 1934 mit der Kreissparkasse Wolfhagen fusioniert) geht hervor, dass aus den erwirtschafteten Überschüssen der Sparkasse des Jahres 1916 der Betrag von 8.000 Mark „in der Hauptsache zur Gewährung von Unterstützungen für die bedürftigen Familien der zum Heere einberufenen Gemeindeangehörigen und zur Linderung sonstiger durch den Krieg hervorgerufener Notstände Verwendung finden“ soll. Auch auf diese Weise trug die Sparkasse, die zu dieser Zeit noch nicht selbständige Körperschaft sondern eine Abteilung der Kommunalverwaltung war, zur Behebung der durch den Krieg herbeigeführten Nöte der Bevölkerung bei. Und wahrscheinlich auch aus wirtschaftlichen Gründen bat der Besitzer eines Kasseler Hotels in der Nähe des Kasseler Hauptbahnhofes als Kreditnehmer die Direktion der Stadtsparkasse Kassel darum, „von einer Hypotheken Abtrag-Leistung während der Kriegszeit absehen zu wollen.“ Diesen Antrag stellte er am 28. Dezember 1914, die Sparkasse hat dem Antrag mit Beschluß vom 28. Januar 1915 stattgegeben.

Diese kurze Vorstellung einiger ausgewählter Unterlagen zeigt schon, dass die Sparkassen in unterschiedlicher Weise in das Kriegsgeschehen involviert waren. Protokoll- bzw. Beschlußbücher und vereinzelt noch vorhandener Schriftverkehr geben Hinweise auf weitere Aspekte. Es ist also durchaus lohnenswert, sich mit den Archivmaterialien zu befassen.

Sparkasse Abb 1 WeltkriegSparkasse Abb 1 Weltkrieg



Sparkasse Abb 2 Weltkrieg
Sparkasse Abb 2 Weltkrieg