Archiv der deutschen Jugendbewegung

Quellen zum Ersten Weltkrieg im Bestand des AdJb


Der Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 markierte für die ersten Wandervogel-Jahrgänge, die sich seit etwa 1900 in vielen Städten als Gruppen und Vereine organisiert hatten, eine Zeitenwende. Als Gegenbewegung zu Militarismus und Moderne, als Fluchtbewegung gegenüber Großstadt und Industrialisierung hatte der Wandervogel vielen bürgerlichen Jungen und Mädchen eine vorübergehende Auszeit in bis dahin unbekannten, eigenen Jugendreichen verschafft. Diesen Sonderwelten machte der Erste Weltkrieg ein jähes Ende. Die patriotische Mobilisierung erreichte auch die Wandervögel: viele junge Männer wurde eingezogen, Angehörige jüngerer Jahrgänge meldeten sich oft freiwillig. An ihrer Stelle übernahmen junge Frauen Leitungsaufgaben in den Wandervogelvereinen: sie organisierten die Veranstaltungen der Ortsgruppe, hielten die Herausgabe der Zeitschriften aufrecht, wahrten die Verbindung zu den Soldaten („Nachrichtenamt“) und wurden an der Heimatfront gebraucht. Im Feld, besonders in den Stellungskriegen in Belgien und Frankreich, fanden die Wandervögel zueinander: sie trugen an der Uniform als Erkennungszeichen eine grün-rot-goldene Schnur. Die Feld-Wandervögel trafen sich zu gemeinsamer Lektüre und zum Singen; sie erhielten sich damit ihre vom sonstigen Kameradschafts- und Offiziersstil abgehobene Kultur. Anfangs wurde das Kriegserlebnis in der Fremde in Anlehnung an die Wandervogel-Unternehmungen als „Große Fahrt“ aufgefasst. Die Wahrung einer jugendbewegten Haltung inmitten des Tötens und Sterbens spiegelt besonders der Roman „Wanderer zwischen den Welten“ von Walter Flex wider. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Kriegserinnerung, das Erbe der Gefallenen, zu einem wichtigen politischen Faktor. Nicht zuletzt gründete die Jugendburg Ludwigstein auf ihrem Status als Ehrenmal der gefallenen Wandervögel.


Hinweise auf Archivgut zum Ersten Weltkrieg im AdJb geben folgende Publikationen:

  1. Gudrun Fiedler: Jugend im Krieg. Bürgerliche Jugendbewegung, Erster Weltkrieg und Sozialer Wandel (1914-1923), Köln 1989 (= Edition Archiv der deutschen Jugendbewegung; 6)
  2. Michael Fritz, Benno Hafeger, Peter Krahulec, Ralf Thaetner: „… und fahr’n wir ohne Wiederkehr“. Ein Lesebuch zur Kriegsbegeisterung junger Männer, Bd. 1: Der Wandervogel, Frankfurt/ Main 1990
  3. Christoph Schubert-Weller: Kein schön‘rer Tod. Die Militarisierung der männlichen Jugend und ihr Einsatz im Ersten Weltkrieg 1890-1918, Weinheim u.a. 1988
  4. Barbara Stambolis: „In unsere Spiele brach der Krieg“. Kriegserfahrung und Kriegserinnerung, in: G. Ulrich Großmann (Hg.): Aufbruch der Jugend. Deutsche Jugendbewegung zwischen Selbstbestimmung und Verführung. Ausstellungskatalog, Nürnberg 2013, S. 43-49.

Der besonderen Bedeutung des Ereignisses Erster Weltkrieg entsprechend verwahrt das AdJb eine Fülle von Archivquellen dazu. Diese liegen allerdings nicht in einem zusammenhängenden Bestand vor, sondern verteilen sich auf viele Stellen in den Registraturen der Bünde und Vereine, der Nachlässe von Wandervogel-Mitgliedern, -Führern, -Historikern und –Publizisten sowie der entsprechenden Jahrgänge 1914-1918 von Zeitschriften wie „Wandervogel. Monatsschrift für deutsches Jugendwandern“. Einschlägig ist neben der Bibliothekssachgruppe „Jugendbewegung und Krieg“ (B 207) noch der Aktenbestand „Feldwandervogel“ (A 11).
Es empfiehlt sich eine Suche in der Datenbank HADIS unter Stichworten wie „Weltkrieg“, „Feldwandervogel“ oder „Soldaten“ [www.hadis.hessen.de > Sonstige Archive > Archiv der deutschen Jugendbewegung].

Archiv der deutschen Jugendbewegung: www.burgludwigstein.de/archiv

Erkennungszeichen der Feldwandervögel (AdJb, G 2 Nr. 3, Foto: Monika Runge, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)Erkennungszeichen der Feldwandervögel (AdJb, G 2 Nr. 3, Foto: Monika Runge, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)


„Umschlagbild von: Richard Franz Heiling: Feldpachanten. Ein Soldaten-Wandervogelbuch, Glogau 1918“„Umschlagbild von: Richard Franz Heiling: Feldpachanten. Ein Soldaten-Wandervogelbuch, Glogau 1918“


„Berliner Wandervögel verabschieden sich nach gemeinsamem Tanz und Spiel am Bahnhof von den Fliegereinheit Neuruppin, 1917 (AdJb, CH 564, Foto: Julius Groß)“„Berliner Wandervögel verabschieden sich nach gemeinsamem Tanz und Spiel am Bahnhof von den Fliegereinheit Neuruppin, 1917 (AdJb, CH 564, Foto: Julius Groß)“