Archiv des Deutschen Evangelischen Frauenbundes in Arbeit

 Deutsch Evangelischer Frauenbund e. V.Mehr als 300 Regalmeter Akten und Bücher des Deutschen Evangelischen Frauenbundes werden, ermöglicht durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, im Archiv der deutschen Frauenbewegung archivarisch bearbeitet und elektronisch verzeichnet. Der Deutsche Evangelische Frauenbund (DEF), eine der ältesten Frauenvereinigungen Deutschlands, hat 2007 sein umfangreiches historisches Archiv und seine Bibliothek der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung übergeben. Mehr als 300 Regalmeter Akten und Bücher fanden hier eine neue Heimat und ergänzen die seit fast 30 Jahren in Kassel zusammengetragene Sammlung von Materialien zur Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland.
Der Deutsche Evangelische Frauenbund wurde 1899 in Kassel gegründet, verlegte seinen Vereinssitz aber schon bald nach Hannover. Die Verbandsakten konnten von Beginn an, auch über zwei Kriege hinweg, weitgehend lückenlos bewahrt werden. Das ist ein seltener Glücksfall für die historische Überlieferung von Frauenverbänden, der kaum hoch genug geschätzt werden kann.

SchulklasseDie Akten des DEF dokumentieren die Aktivitäten des Verbandes und seiner Untergliederungen über mehr als 100 Jahre. Dazu gehören neben den umfangreichen Akten der Geschäftsführung z.B. auch Unterlagen über das Christlich-Soziale Frauenseminar, das 1905 als erste Ausbildungsstätte für Sozialarbeiterinnen (damals Wohlfahrtspflegerinnen) vom DEF gegründet worden war. Die Bibliothek enthält Bücher, Zeitschriften und Broschüren aus Frauenbewegung und Protestantismus des gesamten 20. Jahrhunderts, darunter seltene, heute nur noch schwer auffindbare Werke, die die Bibliothek der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung hervorragend ergänzen. Eine Fotosammlung und anschauliche Objekte wie Vereinsfahnen, Anstecknadeln und selbst Besteck und Geschirr mit dem Vereinsemblem komplettieren den Bestand.

Weder das Archiv noch die Bibliothek des DEF waren bisher in einer Datenbank erfasst, dies ist jedoch dringend erforderlich, um die Materialien mit modernen Recherchemöglichkeiten für die Nutzung zugänglich zu machen. Das Bibliotheksmaterial wird nach und nach in die Datenbank der Bibliothek der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, die bereits im Internet zugänglich ist, eingearbeitet, der größte Teil (3015 Bücher und 60 Zeitschriften) ist inzwischen dort recherchierbar (http://addf-kassel.iserver-online.de). Etwa 2.000 von Säurefraß bedrohte dünne Broschüren wurden in säurefreien Mappen gesichert.

Mitgliedskarte DEFBeim Archivmaterial wurde in einer ersten Maßnahme der Teil der älteren Akten, die nicht in Ordnern, sondern als sog. Bündel, also nur mit Bindfaden verschnürt, vorlagen, in säurefreie Archivkartons umgebettet, um sie besser zu schützen.
Die Erfassung und Erschließung des DEF-Archivs und die Erstellung eines digitalen Findmittels wird durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ermöglicht. Das Projekt begann am 1. Oktober 2011 und wird bis Ende 2013 laufen. Am Ende steht ganz sicher eine Bereicherung der Forschungsquellen zur Geschichte der Frauenbewegung; soweit es der Bearbeitungsstand zulässt, ist es auch jetzt schon möglich, den Bestand zu nutzen.